Forentreffen

Wenn die Namen ein Gesicht erhalten

Drei Tage im April, Bericht von Jannick

Forentreffen in Hamburg 2009
Als vor einigen Monaten die Idee zu dem Forentreffen entstand habe ich mit meiner Zusage eine Weile gezögert, auch aus dem Gedanken heraus, dass ich die Menschen, die ich treffen werde, in Wirklichkeit nicht kenne…
Ja, wie seltsam…diese Vorstellung an die Begegnung mit Menschen, die mir gleichermaßen vertraut sind und doch fremd…
Natürlich habe ich auch darüber nachgedacht, ob und wenn ja, Risiken bestehen könnten, und mir auch die Frage gestellt, ob ich eigentlich meine Anonymität aufgeben möchte…

Je näher der Zeitpunkt des Treffens kam, umso mehr wuchs die Neugierde…wie die Menschen, mit denen ich während der vergangenen Monate ein Stückweit meines Weges geteilt habe, wohl in der „realen Welt“ sind…welche Gesichter sich hinter den Namen verbergen…hinter den „Geschichten“…
…und es wuchs auch die Vorfreude auf Hamburg…diese wunderschöne Stadt…und wahrhaftig…eine „Perle“ ist sie in der Tat…aber dazu später mehr…

Die Menschen in meinem Umfeld haben meine Reise mit gemischten Gefühlen beobachtet…nicht ohne Skepsis…
Aber das wäre mir sicher ähnlich gegangen…

Aber was sollte schon passieren?
Ich hatte ein Hotel…
ein Ticket…
und jederzeit die Möglichkeit umzukehren…
Und dann war es soweit…

Freitag
Aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands reisten die Teilnehmer im Laufe des Tages an…mit dem Zug, mit dem Auto, in Fahrgemeinschaften…um sich abends bei hh zu einer „Kennen – lern – Party“ zu treffen…ca. 14 Leute waren wir…

Und gleich an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an hh und catwoman für alle Mühe und Arbeit und Gastfreundschaft und Planung und Organisation…

Wenn ich an den Freitag zurückdenke, erinnere ich mich daran, wie unwirklich mir die Begegnungen vorkamen… und dass sich zu den „Nicknames“ nicht nur ein Gesicht zu merken war, sondern auch der reale Name…was zuweilen etwas irritierend war…und bis heute nenne ich den ein oder anderen gewohnheitsmäßig viel vertrauter beim Nickname…

Wie soll ich den Freitagabend beschreiben, anders als ein „Beschnuppern“…ein Ankommen…ein Wundern…ein Erinnern…die Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit  blieb… Nähe und Distanz…wie im richtigen Leben…

Samstag
Der Samstag begann mit einem gemeinsamen Frühstück im Hotel, bevor wir uns bei strahlendem Sonnenschein aufmachten, die Stadt zu erkunden…zunächst ging es Richtung Hamburger Hafen…und von dort aus auf die Fähre…zu Anlegestellen, deren Namen ich vergessen habe…und Cafes deren Namen ich nie wusste…aber schön war es…wie im Urlaub…
Mehrmals trafen wir Gruppen von heiratswilligen Menschen, die ihren „Junggesellenabschied“ zelebrierten. Eine davon war jene, die sich mutig und unerschrocken mit froschgrünen Hüten schmückte…Diese Gruppe weilte genau an dem Treffpunkt, den wir mit Cindy vereinbarten, die uns noch nicht kannte…
die, wie sie später verriet, für einen Moment lang zweifelte und überlegte, ob sie sich tatsächlich zu erkennen geben sollte…weil sie befürchtete…der „BKV“ (Interne Vokabel nach Hamburgerin = Beklopptenverein) mache seinem Namen alle Ehre…und trage zur Feier des Tages dümmliche Hüte in Grün… 

Herzi meint, ich muss nun schreiben, dass ich das ganze Wochenende über gefilmt habe und sie hätte niemals zuvor so viele Treppen hoch und runter laufen müssen…
(Herzi, es war eine wichtige Regieanweisung, ich brauchte Bewegung im Film, und Hamburg hat so schöne viele Showtreppen…Anm. Janni)

Wir sind tatsächlich viel gelaufen…vom Hafen zur Speicherstadt…zum Rathaus…,
und U – Bahn gefahren…und Cafes gefunden…zumeist in der großen Gruppe…nur einmal nicht, als wir einen vereinbarten Treffpunkt nicht einhielten…und es zu Verwirrungen kam…und wir partout keinen Weg zueinander finden wollten…trotz Handys und den besten Absichten… wie im richtigen Leben…aber letztendlich trafen wir uns doch… abends auf der Reeperbahn in einem Lokal zum gemeinsamen Essen.

Herzi: „…und irgendwann war Janni verschwunden und niemand wusste wo er war
…erst heute weiß man, dass er in Sachen Filmarbeit unterwegs war… aber bis heute fragt man sich, warum er dabei so schelmenhaft lächelte…und so glücklich schien…

Sonntag
Der Sonntag begann für einen Teil der Gruppe mit einem sehr frühen Aufstehen…ich meine, es war noch mitten in der Nacht.
Wir machten uns auf zum Hamburger Fischmarkt und ich persönlich erinnere mich sehr gerne an diesen Morgen…
diese Atmosphäre…
die Gerüche…
die Stimmung…
der erwachende Tag…
das Beobachten der Menschen, die die Nacht überdauert hatten …

das Beobachten von Menschen,
die am frühen Morgen Krabbenbrötchen essen können
(puh hh, ich meine sie haben sich tatsächlich noch bewegt…)

…das muntere Treiben auf dem Markt…
zwischen Bananen 
Fred’s und Aal 
Willi’s, etc…
und nicht zuletzt die hinreißenden Stimmung in der Halle mit Live – Musik.

Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich zu den rockigen Klängen von Status Quo plötzlich eine außergewöhnliche Tänzerin auf der Tanzfläche erblickte,
in einem roten Kleid…
abrockte…ausgelassen…fröhlich…lebensfroh…lebenslustig…lebensbejahend.

Sie war…ich schätze…ungefähr 75 Jahre alt…vielleicht auch älter.
Kompliment!
Und ihre Freundin war nicht minder temperamentvoll…
Es hat  nicht lange gedauert, bis wir alle mitzappelten…
ja…schade eigentlich, dass wir nicht mehr Zeit hatten…

 

Auf dem Rückweg wurden wir beinahe von einigen tausend Marathonläufern überrannt
und waren von der wunderschönen Atmosphäre des „Hamburg Marathons“ so überwältigt, dass einige von uns beschlossen…für 2010 zu trainieren…
ja macht das…
ich bin dabei, und filme…
und gehe zwischendurch nur ein wenig tanzen…
mit der unbekannten Lady in Red…
und ihrer Freundin…. 🙂

Zum Abschluss trafen wir uns alle noch einmal in unserem Hotel…bevor wir uns dann aufmachten…wieder zurück in die unterschiedlichsten Teile Deutschland…
müde…
bereichert…
und voller Erinnerungen…
an drei Tage im April.

Wenn ich heute zurückblicke und an meine Überlegungen denke, die mich vor dem Forentreffen beschäftigten…dann bin ich zunächst einmal sehr froh, dabei gewesen zu sein.
Auch wenn ich vielleicht in meinen Vorstellungen den „Namen“ ein anderes Gesicht gegeben habe…
irgendwie passte es dennoch, war stimmig…
Die Menschen, die mir vor dem Treffen vertraut waren, sind es mir heute umso mehr…
Und wenn ich mich aufmache noch ein ganzes Stück weiter zurückzublicken…
in die Zeiten meiner Trennung und der schwere Weg danach…
dann begleitete mich auch oftmals der Gedanke…
durch das permanente Beschäftigen mit dem Medium Chat/PC/Forum schon mal den Blick für die reale Welt verloren zu haben…
aber sie ist real…

Janni, Mai 2009